Freiwillig engagiert

Wer mitmacht, gewinnt

 

Freiwillge berichten über ihren Einsatz

Wunsch nach einem sozialen Beruf

St. JosephDas Krankenhaus St. Joseph-Stift, wo Luise arbeitet.

Mein Abitur habe ich 2013 abgeschlossen. Wenn es in der Schule dem Ende entgegen geht, fällt oft die Frage: Was will ich danach machen? Studieren? Ausbildung? Auslandsjahr? Freiwilligendienst?  Ich entschied mich für ein FSJ im Krankenhaus, weil ich den Wunsch habe, Hebamme oder Kinderkrankenschwester zu werden. Um also auf der richtigen Station zu landen, bewarb ich mich für die Gynäkologie und Entbindung. Das Jahr wird aufgeteilt auf die Stationen. Nun habe ich schon ein halbes Jahr auf der Gynäkologie hinter mir und ich bereue nicht, mich für ein FSJ entschieden zu haben. Es gibt auch die Möglichkeit das FSJ auf ein halbes Jahr zu verkürzen, um eine Ausbildung im Halbjahr anzufangen.

Ich wollte herausfinden, wie ich arbeite und ob der Schichtdienst etwas für mich ist. Während der Arbeit im Krankenhaus arbeitete ich im Frühdienst, 6.00 Uhr bis 14.30 Uhr, und im Spätdienst, 13.30 bis 22.00  Uhr. Meine Arbeit auf der gynäkologischen Station gestaltet sich als abwechslungsreich. Trotz der Routine ist es sehr vielseitig, denn ich arbeite mit Menschen zusammen und jeder ist ja bekanntlich anders. Es gab prägende Momente, die man nicht so schnell vergisst, denn auf der Gynäkologie pflegte ich auch krebserkrankte Patienten. Bei einem FSJ im Krankenhaus muss man sich im Klaren sein, dass man an einem Samstagabend 21.00 Uhr noch auf Station ist oder sehr früh anfangen muss. Für mich stellte sich heraus, dass ich keine Probleme mit dem Schichtdienst habe, denn auch der Wechsel zwischen Frühdienst und Spätdienst bereitet Abwechslung, denn die beiden Schichten sind durchaus unterschiedlich.

Ich lernte mich selbst besser kennen: Was kann ich gut oder woran muss ich noch arbeiten? Durch mein FSJ bin ich ein offenerer Mensch geworden und gehe mit alltäglichen Situationen leichter um. Man bekommt schnell ein dickes Fell, denn bei Stress sollte man einen kühlen Kopf bewahren. Diesen Fragen wird auch in den Caritas-Seminaren nachgegangen. Dabei lernte ich viele liebe Menschen kennen, welche teilweise auch zu guten Freunden wurden. Diese Seminare sind ein gutes Gegenstück zur körperlichen Arbeit im Krankenhaus und eine Möglichkeit, sich mit anderen FSJlern auszutauschen. Aus fremden FSJlern wurden Freunde. Mein FSJ eine schöne Zeit.

Luise Münster

Ein dauerhaftes Zuhause

Kinderdorf MarkleebergCaritas-Kinderdorf Markleeberg, wo Johanna arbeitet.

Insgesamt besteht das Caritas Kinder - und Jugenddorf aus drei Wohnhäusern auf dem Gelände in Markkleeberg und dem St. Hillarius Haus in Leipzig - Grünau. Es leben hier circa 30 Kinder, die nicht bei ihren Familien leben können. Das Kinderdorf ist keine Notstelle, die übergangsweise die Kinder in Obhut nimmt, sondern in vielen Fällen ihr neues, dauerhaftes Zuhause bis zu ihrem 18. Lebensjahr

Ich arbeite im Haus 2 und versuche so etwas wie eine Große Schwester für 9 Kinder im Alter von 5 bis 18 Jahren zu sein. Momentan arbeite ich mit vier Pädagogen zusammen, die sich mit den Nachtdiensten abwechseln. Als FSJlerin habe ich immer Tagdienst und fange in der Schulzeit zwischen 12 und 13 Uhr an. Nach dem "ins - Bett - bringen" habe ich meistens um 20:30 Schluss. Das bedeutet zwar, dass ich ausschlafen kann, aber auch, dass ich arbeite während alle anderen Freiwilligen schon auf Achse sind.Das heißt, nicht alle: Ich teile mir eine Wohnung auf dem Gelände mit der zweiten FSJlerin im Kinderdorf.

Da die Kinder im Kinderdorf zu Hause sind, habe ich auch am Wochenende und Feiertagen Dienst, der auch mal 10 Stunden lang sein kann. In der Regel arbeite ich 10 Tage und habe dafür 4 Tage frei. Das hört sich alles ziemlich viel an, aber dadurch, dass ich arbeite, wo andere wohnen und das Kinderdorf viele Möglichkeiten bietet, ist die Wochenendgestaltung auch immer sehr abwechslungsreich. Den letzten Kindergeburtstag haben wir beispielsweise in einem Freizeitbad gefeiert. Das bedeutete für mich: Ein Arbeitstag im Bikini.

Als wohlbehütet aufgewachsenes Mädchen komme ich zum ersten Mal in Berührung mit traumatisierten Kindern, dem Jugendamt und diversen Geschichten, von denen man dachte, es seien Einzelfälle. Die traurige Wahrheit ist, dass alle Kinder im Kinderdorf schon wahnsinnig viel Schlechtes in ihrem Leben erfahren mussten und sie die Traumata ihr ganzes Leben in sich tragen werden. Sie alle hatten großes Glück in einer Einrichtung wie das Kinderdorf zu kommen. Ich bin Teil einer "Ersatzfamilie", die es mit neun zusammen gewürfelten "Geschwistern", die alle ihre eigenen Baustellen mitbringen, nicht immer einfach hat. Und wie es in einer Familie so ist, gibt es viele Termine, die abgestimmt werden müssen und ebenso viele Reibereien untereinander.

Einen typischen Arbeitstag im Caritas Kinder - und Jugenddorf Markkleeberg bei Leipzig gibt es nicht. Typische Aufgaben schon: Ich erledige viele Fahrdienste, zum Beispiel die Jüngste vom Kindergarten abzuholen oder Arzt - und Therapietermine wahrzunehmen. Es kam also auch schon vor, dass ich einen Arbeitstag damit verbrachte in Wartezimmern zu sitzen. Ich versuche bei den Hausaufgaben zu helfen, immer ein offenes Ohr zu haben und zu vermitteln, falls es mal wieder zu Streit kommt. Da die Kinder jeden Tag an die frische Luft kommen sollen, lasse ich mich auch ab und zu zum Fußball oder Verstecken spielen überreden.

Es ist auf jeden Fall ein anstrengendes FSJ, denn jedes Kinder bringt einen manchmal an seine Grenzen. Ich habe, ohne pädagogisch ausgebildet zu sein, sehr viel Verantwortung und brauche starke Nerven. Ich rede mir den Mund fusselig, in der Hoffnung, dass meine Worte im Gedächtnis bleiben und darf dasselbe Thema mit demselben Kind wahnsinnig oft durchkauen, bis ich es schaffe durchzudringen.  Dafür macht mich jeder winzige Fortschritt sehr stolz und solange ich die schönen Momente im Kopf behalte, ist jeder Ärger wieder vergessen.

Dadurch, dass ich selbst erst von zu Hause ausgezogen bin und die pädagogische Arbeit für mich vollkommen fremd war, brauchte ich einige Zeit, um mich in der völlig neuen Umgebung einzugewöhnen. Ich habe mich selbst ins kalte Wasser geworfen und kann dennoch sagen, dass das Kinderdorf die beste Einsatzstelle ist, die ich mir vorstellen kann. Durch die tägliche Herausforderung lerne ich unglaublich viel. Es wird niemals langweilig mit den Kindern und ich will gar nicht daran denken, sie irgendwann zurück zu lassen.

Johanna Licht

 

Ein super Team

FSJ LisaLisa, erste von links, bei einem FSJ-Seminar.

Als ich (Lisa Wegner, 19) letztes Jahr mein FSJ in der Jugendseelsorge im Ordinariat unseres Bistums Dresden-Meißen angefangen habe, war mir, so dachte ich, eigentlich alles klar, was ich so für Aufgaben haben werde. Ich kannte durch meine vielen Besuche im Winfriedhaus die Arbeit der Jugendseelsorge ein wenig und wollte unbedingt hinter die Kulissen schauen und erfahren, was heißt, in diesem Feld tätig zu sein…

Freundlich begrüßt und im sogenannten "Ordi" rumgeführt wurde ich damals von meiner Anleiterin. Es war ein sehr lustiger Start und ich hab mich auch schon wahnsinnig gefreut. 
Schnell haben wir auch alle Aufgaben für den ersten Tag geklärt und los gings. So viel war zu tun, da verging die Zeit doch wie im Fluge…

Wie sich bald herausstellte war das Team auch vom feinsten. Wenn man im Büro sitzt, hat man nur warmherzige Menschen um sich. Egal ob es nun die Mitarbeiter aus der LAGS (Landesarbeitsgemeinschaft Katholischer Jugend im Freistaat Sachsen) oder aus der JuSe (Jugendseelsoge) sind.

Im Büro ist die Quelle der meisten Ideen für unsere Projekte. Bei uns entstehen zum Beispiel (neben einem schwarzen Tee-Konsum meinerseits) Wochenendkurse für Jugendliche im Winfriedhaus in Schmiedeberg, Tage der Orientierung (TdO) mit Schulklassen, Weiterbildungen oder ganz andere Veranstaltungen, die mit der Jugendarbeit zu tun haben. Highlights, wie der Bistumsjugendtag, die Wallfahrt oder sogar der Weltjugendtag, werden hier auch erdacht. Ich übernehme dann hier und dort meine Aufgaben, die zur inhaltlichen oder kreativen Gestaltung beitragen. Klar läuft nicht immer alles ganz so wie geplant, aber da sind wir dann immer ziemlich flexibel und können spontan was ändern. Im Ohr hat man dann meist wieder nicht ernst gemeinte Bemerkungen der Mitarbeiter (z.B.: "Tja, dann kömmer so was eben einfach nimmer machen!"). Aber darüber sollte man sich nicht ärgern, denn jeder ist hier für einen guten Scherz zu haben und hat ein freundliches Gemüt!

Wenn man mich sucht, sollte man mich nicht nur im Büro suchen!

Ich bin zum Beispiel bei den Schulbesuchen dabei, wenn wir das Projekt TdO in den einzelnen Klassen vorstellen. Finden Kurse statt, bin ich auch mit am Start. Ob in Schmiedeberg oder beispielsweise in Wechselburg bin ich dann auch mit anzutreffen.

Ansonsten gibt es, wie in jedem Büro, auch die normale Büroarbeit zu tun, die ich auch mit erledige. Doch ich freu mich immer wieder, wenn ich mit meinen herrlichen  Kollegen wieder an Projekten arbeiten darf und was zum Lachen habe, weil es einfach ein super Team ist und man extrem viel Spaß haben kann.

Schwierigkeiten habe ich hierbei eigentlich kaum. Es sei denn, ich hatte mir am Nachmittag was Wichtiges vorgenommen und muss aber spontan länger machen, da für die kommende Veranstaltung noch was "fertschwer´n" muss. Doch davon sollte man sich nicht unterkriegen lassen! Denn, arbeite ich heute lange, kann ich morgen ein bisschen eher gehen. Genauso sieht es auch an Kurs-Wochenenden oder bei den TdO aus. Klar arbeitet man da von früh bis spät, da einfach auch sehr viel zu tun ist. Aber das ist gar nicht schlimm, denn die Überstunden kann man irgendwann auch abfeiern!

Also kein sinnlooooooses FSJ! Ich empfehle es allen kreativen Köpfen, die gern Projekte mit Jugendlichen gestalten wollen! Macht hier in der JuSe euer FSJ! Denn das fetzt. Und LÄUFT!!

Lisa Wegner

Ein bisschen Hoffnung geben

CaritasLaden LeipzigDer Caritasladen in Leipzig.

Seit 10.Juli (Heiko) bzw. 1.September (Birgit) arbeiten wir im CaritasLaden mit zugehörigem Möbeldienst in Leipzig-Grünau. Grünau ist ein sozialer Brennpunkt und das spiegelt sich auch wie in einem Brennglas in unserem Laden wider.

Der CaritasLaden ist ein Angebot für Bedürftige mit geringem Einkommen, eine Art Sozialwarenhaus. Hier kann man Kleidung, Spielzeug, Haushaltswaren und Möbel für wenig Geld erwerben. Die Sachen sind Spenden, meist von Privatleuten, selten auch von Firmen. Sachen, die sonst weggeworfen würden, finden so noch einen Nutzer. So schlägt man bei uns "gleich zwei Fliegen mit einer Klappe". Wir helfen in sozialer Not und tun gleichzeitig etwas gegen die immer mehr zunehmende "Wegwerfgesellschaft".

Heiko ist als Fahrer im Möbeldienst, besser Möbelladen, tätig. Er holt mit seinen Kollegen, nach telefonischer Vereinbarung und Inaugenscheinnahme, die Möbel, Haushaltsgeräte, -gegenstände und teilweise auch Kleidung ab. Diese werden dann ausgepreist, an hilfsbedürftige Menschen verkauft und ohne Aufpreis innerhalb Leipzigs ausgeliefert. Unsere Mitarbeiter sind Ehrenamtliche, junge 1-Euro-Jobber, Migranten und Menschen, die Sozialstunden ableisten müssen. Es ist eine Herausforderung, aus den doch recht eigenwilligen und ständig wechselnden Mitstreitern eine effektiv funktioniernde Fahrzeugbesatzung zu formen. Wer willens, fähig und gegen die Wirkung von Kraftworten abgehärtet ist, findet hier eine sinnvolle Betätigung und eine Zeit, die er nicht vergisst.

Neben Einkaufen kann man bei uns auch Kaffee oder Tee trinken, ein Buch lesen oder sich unterhalten. Wir sind dabei, dieses Angebot noch attraktiver zu gestalten, damit es noch besser angenommen wird.

Wir haben einen breiten Gestaltungsraum von der Ladendekoration bis zum Arbeits- und Verkaufsklima, der Zusammensetzung der Mitarbeiter des Tages durch Festlegen im Dienstplan. Außerdem lernt man hier viele verschiedene soziale Gruppierungen, individuelle Schicksale sowie interessante Menschen kennen. Auch wenn ein Kunde zu handeln versucht oder etwas gewöhnungsbedürftig ist, heißt es immer freundlich zu sein und zu bleiben. Jeder Kunde will und muss in der ihm entsprechenden Weise und mit Würde behandelt werden. Das erfordert schon etwas Fingerspitzengefühl. Deshalb ist die Arbeit immer vielfältig und interessant, nie langweilig, stets ein Kampf gegen das Chaos.

Hier kann man Organisations- und Improvisationskunst lernen, sich in Toleranz üben und Durchsetzungsvermögen trainieren. Es findet ein Miteinander, manchmal auch ein Gegeneinander, zwischen Jung und Alt, Deutschen und Migranten, verschiedenen Lebenseinstellungen und Bildungsniveaus statt.

Ein guter Tag war es, wenn wir sozial auf der Schattenseite des Lebens Stehenden zu ihren Einkäufen ein bisschen Hoffnung mit auf den Weg geben konnten.

Heiko Dietzel und Birgit Heinemann

Es zaubert ein Lächeln ins Gesicht

FSJ LauraLaura bei der kreativen Arbeit.

"Frau Werner, kannst du mir mal bitte helfen?". Diesen Satz höre ich täglich mindestens einmal, denn ich mache ein Freiwilliges Soziales Jahr im Christlichen Kinderhaus in Dresden. Viele Aufgaben muss ich selbstständig erledigen und ich übernehme auch die Verantwortung dafür, wie zum Beispiel die Vorbereitung und Gestaltung des Morgenkreises in den Gruppen. Doch die schönsten Sachen sind die, die man mit den Kindern zusammen macht. Seien es kleine Dinge, wie das zubinden der Schuhe oder auch das gemeinsame Basteln eines Geschenkes für die Eltern. Die Kinder stellen mich täglich vor neue, spannende Aufgaben und auch Herausforderungen, wie einen kleinen Streit um ein Spielzeug zu schlichten. So ist kein Tag langweilig oder eintönig. Ich freue mich jeden Tag aufs Neue auf Arbeit zu gehen und falls ich mal einen nicht so guten Tag hab, schaffen dann besonders die Kleinen, mir wieder ein Lächeln aufs Gesicht zu zaubern. Die vielen Erfahrungen, dich ich gemacht habe, schätze ich sehr und ich bin sehr froh, dass ich mich für das Freiwillige Soziale Jahr entschieden habe.

Laura Werner

Respekt vor den Menschen

Werkstatt BehinderteDie Werkstatt für Menschen mit Behinderung.

Seit letztem Oktober mache ich einen Bundesfreiwilligendienst in Dresden. Da ich in meiner Ausbildung schon in einer Werkstatt für behinderte Menschen, kurz WfbM, gearbeitet habe, und mir diese Arbeit dort immer tierisch viel Spaß gemacht hat, habe ich mir also auch eine Werkstatt für meinen BFD ausgesucht. Ich selbst bin bisher als Unterstützung in hauptsächlich einer Arbeitsgruppe eingesetzt und helfe dort den Leuten bei ihrer Arbeit.

Probleme gibt es viele, nicht alle sind selbst für einen "normalen" Menschen einfach zu lösen und einige erfordern einen ganz besonderen Blickwinkel auf die Situation, um sie überhaupt zu erkennen. Wenn einmal nicht so viel zu tun ist, unterhalte ich mich mit den behinderten Mitarbeitern über alles Mögliche: Wie Dynamo Dresden am Wochenende gespielt hat, wer dieses oder jenes Lied gesungen hat, über den neuesten Klatsch von DSDS, Videospiele, Haarfärbetrends in der Werkstatt, ob der BFD etwas mit der Armee zu tun hat, über kanadische und andere Auswanderer, und so weiter und so weiter. Und da man nicht von allem eine Ahnung haben kann, ist es kein Problem, sich auch Mal etwas von den Leuten erklären zu lassen. Egal ob jemand am liebsten den ganzen Tag pantomimisch Wii spielen würde oder versucht, sich alles an Arbeit abnehmen zu lassen (vom Jacke zumachen bis hin zum Tür aufmachen), woran man nur denken kann, bisher hat es immer Spaß gemacht. Und manchmal ist es auch einfach nur sehr unterhaltsam und lehrreich die Menschen untereinander beobachten zu dürfen.

Die Arbeit mit behinderten Menschen zeichnet sich meiner Ansicht nach vor allem durch den Respekt zu diesen Menschen aus. Diese Leute mögen nicht so leistungsfähig sein, wie du oder ich, doch sie sind deswegen auf keinen Fall dumm oder gar schwachsinnig. Tatsächlich habe ich beobachten können, dass schwerst-mehrfach behinderte Menschen auf eine vollkommen überraschende Art und Weise eine große Menschenkenntnis besitzen. Und es wird extrem viel Spaß machen, sobald man bereit ist, sich auf ihre Andersartigkeit einzulassen. Einige dieser Menschen kann man auf den ersten drei Blicken überhaupt nicht von einem sogenannten "gesunden" Menschen unterscheiden und wenn dann die Erkenntnis kommt, dann ist das oft mit viel Gelächter verbunden. "Niemand ist umsonst hier.", pflegte ein ehemaliger Kollege aus einem meiner Praktika während meiner Ausbildung öfters mal zu sagen und er meinte damit die Gruppenleiter und das restliche Personal ebenso wie die behinderten Mitarbeiter. Er hatte recht, denn die Situationen, die mir fast jeden Tag über den Weg stolpern, sind bestens dazu geeignet, ebenso etwas über mich selbst zu lernen, wie über den Menschen, der da vor mir steht oder im Rollstuhl sitzt.

Auf jeden Fall ist es eine stetige Erweiterung meines Horizontes, eine Möglichkeit, eben doch mal über den eigenen Tellerrand von Normalität hinauszuschauen und etwas Neues zu entdecken. Bisher habe ich in fast einem halben Jahr BFD noch kaum einen langweiligen Tag erlebt, der nicht wie im Fluge vergangen wäre.

Julia Gröbe