19. Oktober 2016

Alte Menschen häufig von Armut betroffen

FlüchtlingsschlangeIm Flüchtlingscamp stehen Menschen nach warmen Getränken an.Foto: Mechthild Gatter

Heute ist der letzte Tag unserer Reise. Wir fahren in ein Flüchtlingscamp am Stadtrand von Belgrad. Dort leben 1.200 Personen, Männer, Frauen, Kinder und Jugendliche in Baracken, die zumeist renoviert und in einem relativ guten baulichen Zustand sind. Mehrere Organisationen sind hier tätig, bzw. haben das Camp eingerichtet (zum Beispiel Caritas USA oder eine dänische Flüchtlingsorganisation).

Die Caritas hat hier in einem Container einen kleinen Waschsalon eingerichtet. Eine junge Roma nimmt die Wäsche entgegen, bestückt die Waschmaschinen und Trockner und gibt die saubere Wäsche an die Flüchtlinge zurück. Sie bekommt Gehalt und trägt so zum Lebensunterhalt der Familie bei. Zum Caritas-Team gehören weiterhin eine Sozialarbeiterin und eine Psychologin. Die Caritas gibt auch hier so genannte Sanitarybags aus. Als wir mit den Kolleginnen reden, werden gerade Windeln geliefert. Im Camp gibt es viele Kinder und auch ein Neugeborenes.

Auch wenn die Lebensbedingungen im Camp relativ gut sind, fällt doch eine gewisse Tristesse auf. Wir frieren in unseren wetterfesten Schuhen, Fleecejacken und Anoraks. Wie mag es sich erst im Winter in Plastelatschen, ohne Socken anfühlen?

Gerade als wir das Camp wieder verlassen wollen, entwickelt sich ein lustiges Basketballspiel Caritas-Mitarbeiter gegen Flüchtlinge. Der Spaß ist allen Mitspielern anzusehen, und die Zuschauer haben ihre Freude. Gewonnen haben alle.

Bei einem anschließenden Termin im Social Center of Welfare (vergleichbar unserem Sozialamt) lassen wir uns über die Armutssituation in Belgrad informieren. Die Armutsrate und Arbeitslosenquote sind sehr hoch. Insbesondere ältere Menschen sind häufig von Armut betroffen. Es gibt eine Art Sozialhilfe, die aber immer nur befristet (und häufig nach Budgetlage der Stadt) gezahlt wird.

Beim Mittagessen treffen wir uns mit einer Mitarbeiterin von UNHCR, um über die Situation unbegleiteter minderjähriger Flüchtlinge zu sprechen.