17. Oktober 2016

Nur wenige können sich eine ärztliche Versorgung leisten

Besuch bei einem alten LehrerBesuch bei einem pensionierten Lehrer. Alte Menschen Menschen werden von der Organisation "home-care" betreut.

Heute Morgen sind wir um 7 Uhr in die Berge aufgebrochen, um noch einmal die Kollegen in Prizren zu treffen. Zunächst besuchten wir das Frühförderzentrum der Caritas. Dorthin kommen Kinder bis zu einem Alter von 5 bis 6 Jahren, die eine körperliche, geistige oder seelische Behinderung haben. Hingebungsvoll werden sie von beruflichen und freiwilligen Mitarbeitenden betreut und gefördert. Auch die Eltern werden bei Zusammenkünften geschult. Nach und nach entwickeln sie auch ein soziales/politisches Bewusstsein. Ohne die UN-Behindertenrechtskonvention wäre die Arbeit der Frühförderstelle nicht möglich. Sie ist das politische Argument für deren Notwendigkeit.

Anschließend haben wir mit zwei Schwestern von home-care Patienten zu Hause besucht. Ein altes Ehepaar bewohnt ein Zimmer im Hinterhaus. Die Schwestern messen Blutdruck und "Zucker". Hauptsächlich aber sind sie regelmäßige Kontaktpersonen und der Draht zur Außenwelt. Regelmäßig gehen sie für das Paar einkaufen.

Danach besuchen wir einen alleinstehenden ehemaligen Lehrer, der eine kleine Eigentumswohnung in einem alten Plattenbau bewohnt. Seine Frau ist vor ein paar Jahren verstorben. Seinen Tag strukturiert er mit kleinen Aufgaben und Ablenkungen. Die Schwestern kaufen für ihn ein und unterstützen ihn bei der Bewältigung des Alltags.

Home-care ist mit der Arbeit unserer Sozialstationen nicht gleichzusetzen. Da es im Kosovo keine Sozialversicherung gibt, können sich nur wenige Menschen eine ärztliche Versorgung leisten. Es ist eher mit Senioren-Sozialarbeit vergleichbar. Die Klienten sind sehr dankbar für diesen Dienst.

Am Nachmittag machen wir uns auf den Rückweg nach Serbien. Wir werden von einem Kollegen der Caritas Kosovo zur Grenze gefahren. Als die Polizisten den Kollegen erkennen, darf er weiterfahren. Das ist das Ergebnis von networking.

Wir passieren die Grenze wieder zu Fuß und diesmal bei Tageslicht. Ein Mitarbeiter von EULEX* überwacht die Arbeit der Grenzbeamten. Er spricht uns auf unsere Caritasjacken an und ob wir eine offizielle Delegation sind. Dann erzählt er uns, dass er aus Spanien kommt und auch in Deutschland gearbeitet hat. Auch diesmal dürfen wir ohne Probleme passieren. Auf der serbischen Seite erwartet uns ein Mitarbeiter der Caritas Aleksinac.

Aleksinac hat uns schon etwas schockiert. Es erinnert uns an eine graue Kleinstadt kurz vor der Wende. Die Gaststätte, in der wir zu Abend essen, hat den Charme einer Mitropa, einschließlich des Kellners. Wir gehen ein paar Schritte durch die Stadt. Es ist trist und ärmlich. Wir übernachten im Haus der Caritas.

* Unter dem Begriff EULEX werden Rechtsstaatlichkeitsmissionen der Europäischen Union im Rahmen der Gemeinsamen Sicherheits- und Verteidigungspolitik (GSVP) bezeichnet.