16. Oktober 2016

Würde trotz der Hoffnungslosigkeit

IndustrieanlageIndustrieanlage im Kosovo: Die Menschen haben es schwer, ihren Lebensunterhalt zu verdienen.Foto: Mechthild Gatter

Auch am Sonntag  haben wir Besuche gemacht und uns über die Situation von Rückkehrern informiert. Zunächst waren wir in einer städtischen Unterkunft - die diesen Namen nicht verdient - für Menschen, die keine Wohnung haben. Erbärmliche Baracken mit undichten Fenstern und Dächern, ein wackliger Herd, der mit feuchtem Holz befeuert wird, erwärmt den Raum, in dem eine Roma-Familie mit sieben Kindern zusammen lebt. Das Ofenrohr endet in einem Loch unter der Decke. Der älteste Sohn, der bei der Caritas in Magdeburg zur Beratung war, ist am 15. Oktober 2016 über eine so genannte freiwillige Rückkehr aus Deutschland gekommen.

Die Familie hat hier nichts, außer ihren familiären Zusammenhalt. Der Raum und die Bekleidung sind sauber, trotz der Hoffnungslosigkeit ihrer Lage strahlen sie Würde aus. Der 13-jährige Sohn hat Zahnschmerzen, die Wange ist geschwollen. Eine Behandlung können sie sich nicht leisten. In die Schule kann er nicht mehr gehen, weil sie sich "die Sachen" nicht leisten können. Das Wasser wird in großen Plasteflaschen aufbewahrt, im Vorraum lagern Zwiebeln und Holz. Wir versuchen ein bisschen Mut und Hoffnung zu geben und sagen zu, dass wir die Organisationen für Rückkehrer und Minderheiten, die wir inzwischen kennen gelernt haben, informieren. Vielleicht kann die Caritas in Prizren, die wir morgen wieder treffen, helfen.

Danach besuchen wir eine Familie, die vor circa zehn Jahren aus Deutschland abgeschoben wurde. Sie haben inzwischen mit Hilfe anderer Familienangehöriger ein Haus gebaut und bewirtschaften eine kleine Apfelplantage. Der Vater arbeitet wie viele im Kosovo bei einem Sicherheitsdienst. Ein Sohn studiert Zahnmedizin, weiß aber, dass er nach seinem Abschluss im Kosovo nicht als Zahnarzt arbeiten wird. Die Tochter, die ein kleines Kind hat, studiert Ökonomie und jobbt in einem Reisebüro. Auch sie wird nach dem Abschluss in ihrem Beruf nicht arbeiten können. Alle Hoffnungen ruhen auf dem Sohn, der zur Ausbildung in Magdeburg ist und von der Caritas begleitet wird. 

In Pristina treffen wir eine Journalistin aus der Schweiz, die über die Familie unseres Kollegen ein Buch geschrieben hat. Sie leben seit einigen Jahren im Kosovo, da der Mann als Entwicklungshelfer bei einer NGO tätig ist. Im Gespräch erhalten wir interessante Einblicke, zum Beispiel, dass der Kosovo das Land mit der höchsten Entwicklungshilfe pro Kopf ist (wir fragen uns, warum man das nicht merkt). Es gibt keine Berufsausbildung nach unserem Verständnis gibt - man arbeitet entweder als Un-/Angelernter oder hat studiert. Dass trotzdem vieles funktioniert, erklärt sich aus dem familiären Zusammenhalt. Die meisten Menschen gehen mehreren Jobs nach.