11. Oktober 2016

Subotica - Manchmal fehlen die Worte

Zerstörtes HausAuf dem Weg nach Subotica: Vorbei an zerstörten Häusern.Foto: Mechthild Gatter

Wir fahren von Belgrad vorbei an zerbombten Häusern in die Voivodina nach Subotica. Die Autobahn ist in einem einwandfreien Zustand.

Ein Flüchtlingscamp nach der ungarischen Grenze. Wer dort sein "darf" - die Verteilung erfolgt über das Flüchtlingskommissariat - gehört demnächst zu den "Glücklichen". Die meisten wollen sich auf den Weg nach Deutschland machen. Die Caritas Subotica leistet ergänzende Dienste, liefert zum Beispiel Wasser und Medikamente. Um die Situation zu beschreiben, fehlen die Worte. 90 Prozent sind junge Männer, die,  in Decken gehüllt, auf dem Fußboden oder Bänken liegen. Die Schlafräume, Doppelstockbett an Doppelstockbett, nur mit Matratzen belegt, sind übervoll. Für die wenigen Frauen und Kinder, die offensichtlich traumatisiert sind, wurden zwei kleine, fensterlose Räume abgetrennt. Es gibt einen Arzt und eine Krankenschwester. Das Rote Kreuz liefert Essen. Obwohl die Sanitärräume mehrmals am Tag gesäubert werden, sind sie in einem erbärmlichen Zustand. Für den Besuch des Flüchtlingscamps in Horgos hat das Ministerium keine Genehmigung erteilt.

GetränkeausgabeFrisches Wasser wird ausgegeben, und die deutschen Gäste packen mit an. Vorn: Mechthild Gatter, links daneben: Monika Schwenke aus dem Bistum Magdeburg.Foto: Tobias Nölke

In unmittelbarer Nähe des Camps haben wir in einem der Dörfer einen Hausbesuch bei Patienten der Caritas-Hauskrankenpflege gemacht.  Ein cirka  50-jähriger, querschnittgelähmter Mann versorgt so gut er kann seinen über 90-jährigen bettlägerigen, blinden Vater. Es gibt keine Pflegebetten, alles wird improvisiert. Die Caritas Subotica organisiert an mehreren Standorten Krankenpflege, das heißt Pflege und Hauswirtschaft. Für medizinische Versorgungen müssen die Patienten zum Gesundheitsamt gebracht werden. Finanziert wird die Hauskrankenpflege von der Kommune.  

Am Nachmittag waren wir beim Präsidenten einer Roma-Organisation. Er hat uns ein Inklusionsprojekt vorgestellt. Eltern sollen lernen, Verantwortung für ihre Kinder zu übernehmen und ihnen den Zugang zu Bildung eröffnen. "Bildung ist das Licht der Hoffnung für die Roma." Mit pädagogischer Assistenz in Kindergärten und Grundschulen, medizinischen Mediatoren (Roma achten nicht auf ihre Gesundheit) sowie gemeinsamen Aktionen (zum Beispiel Schachtarbeiten per Hand für die Kanalisation) konnten inzwischen Wege eröffnet werden. Der Präsident rechnet aber mit einer Projektdauer über drei Generationen.

Anschließend hat uns ein Priester, der drei Tage in der Woche für die Caritas arbeitet, zum Priesterseminar gebracht, wo wir übernachten. Das Seminar ist neu gebaut, aber leer. In Subotica und Umgebung gibt es sehr viele Katholiken (Ungarn, Kroaten). Die Arbeitslosigkeit ist hoch. Viele Rentner haben nicht mehr als 80 Euro zum Leben. Im Winter verteilt die Caritas an einige Brennholz.