10. Oktober 2016

Erzbischof Hočeva für "eine neue geistliche Kraft und Solidarität in Europa"

Essensausgabe für FlüchtlingeEssenausgabe für Flüchtlinge in Belgrad.Foto: Mechthild Gatter

Nach einer kurzen Nacht fuhren wir im dicksten Berufsverkehr mit dem stellvertretenden Leiter der Caritas Serbien zum Flüchtlingskommissariat von Serbien. In einem Gespräch ging es neben der Versorgung der Flüchtlinge auf der (Ost-)Balkanroute  um die so genannten Rückkehrer. Seit März 2016 ist die Grenze nach Ungarn offiziell geschlossen. Jeden Tag können 30 Flüchtlinge nach Ungarn durchgelassen werden, etwa 70 bis 80 kommen jeden Tag neu nach Serbien. In Deutschland befinden sich ungefähr 210.000 Serben, davon sind 24.000 ausreisepflichtig. 19.000 haben eine Duldung.

Zu den Rückkehrern kommen viele Binnenvertriebene aus den anderen Balkanstaaten. Da die Serben nach dem Balkankrieg wissen, was es bedeutet, Flüchtling zu sein, pflegen sie einen humanen Umgang. Kriminelles Verhalten von Flüchtlingen - vor allem Marokkaner - wird nicht geduldet. 

Serbien nimmt alle Landsleute aus Deutschland zurück, erwartet aber, dass Serben als Arbeitsmigranten in Deutschland aufgenommen werden. Der Flüchtlingskommissar schätzt die Arbeit der Caritas, da sie schnell und unkompliziert handelt. Eine enge Zusammenarbeit gibt es zwischen der Caritas und dem deutschen Auswärtigen Amt, wie bei einem Termin in der Deutschen Botschaft deutlich wurde.

In einem Park zwischen dem Belgrader Hauptbahnhof und dem Busbahnhof befindet sich eine Essensausgabe der Caritas für Flüchtlinge. Es war beklemmend und erschütternd! In einer Nebenstraße gibt es ein Zentrum für Frauen und Kinder mit einer Kleiderkammer, die von Freiwilligen aus mehreren Ländern betrieben wird. Elend und Hoffnungslosigkeit haben viele Gesichter!   

Am Nachmittag hat sich der Erzbischof von Belgrad, Stanislav Hočeva, eineinhalb Stunden Zeit für uns genommen. Er spricht hervorragend deutsch, unterstützt und schätzt die Arbeit der Caritas. "Wir brauchen eine neue geistliche Kraft und Solidarität in Europa", sagte er. Er wünscht sich einen Austausch der Bischöfe und der Caritas aus Deutschland, Bosnien, Serbien, Mazedonien, Bulgarien und Montenegro.