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Stand: 08.11.2017

Aktuell

Niemand kann es allein: Fachtag in Dresden zum Thema Sterbekultur

Fachtag Hospiz 2Liga-Chef Christian Schönfeld: Das Thema Sterben betrifft die ganze Gesellschaft.Fotos: Andreas Schuppert

"Für mehr als 75 Prozent hochbetagter, mehrfach kranker und schwerstpflegebedürftiger Menschen werden stationäre Pflegeeinrichtungen zu ihrem letzten Zuhause", sagte der derzeitige Liga-Vorsitzende und Diakonie-Vorstandschef Christian Schönfeld. Sterbebegleitung werde deshalb immer häufiger zu einer pflegerischen Aufgabe. Das neue Hospiz- und Palliativgesetz sei vor allem deshalb wichtig, weil es neben mehr Geld, Zeit und Personal auch das "Ende des Lebens" auf die öffentliche Agenda gesetzt hat.

 "Sterbekultur" ist längst nicht mehr nur eine Sache von Krankenhäusern oder Altenpflegheimen. Betroffen sei letztlich die ganze Gesellschaft, "weil wir nun mal alle sterben müssen", so Christian Schönfeld. "Neben der Qualifizierung der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in den Bereichen Palliative Care heißt das vor allem, die ambulanten Hospizdienste, die Pfarrerinnen und Pfarrer der Kirchengemeinden, die Haus- und Fachärzte kooperativ mit in den Dienst einzubeziehen."

Ein Netz, das hält und trägt 

Fachtag Hospiz 1Für die Teilnehmer der Tagung ist auch der fachliche Austausch wichtig.

Entscheidend sei deshalb die Netzwerkarbeit beim Aufbau einer menschenwürdigen Sterbekultur, um den Wünschen und Bedürfnissen von Schwerstkranken und Sterbenden zu entsprechen, betonte Gundula Seyfried vom Christlichen Hospizdienst Ostsachsen. Dazu gehörten nicht nur Hausärzte und medizinische Dienste, sondern auch Angehörige oder Ehrenamtliche. "Netzwerke tragen, halten und geben Orientierung", sagt Gundula Seyfried. "Jeder hat das Recht und den Anspruch auf Sterbebegleitung und Palliativversorgung. Aber niemand kann es allein. Ohne die anderen geht es nicht."

Dafür müssen allerdings auch die Rahmenbedingungen stimmen, meint Gerda Graf, Ehrenvorsitzende des Deutschen Hospiz- und Palliativverbandes (DHPV). Das neue Hospiz- und Palliativgesetz sei ein wichtiger Schritt. Träger und Organisationen der Sterbebegleitung müssten sich aber ebenso selbstkritisch fragen, ob die bisherigen Konzepte zukunftsfähig sind. Dies betrifft unter anderem die Möglichkeit der Qualitätskontrolle, die Wissensvermittlung oder die Einbeziehung von Angehörigen und Ehrenamtlichen.

Angesichts der Bevölkerungsentwicklung sei das Thema "Sterbekultur" eine "wichtige Herausforderung für die Gesellschaft", hob Michael Bockting, Abteilungsleiter Sozialversicherung und Krankenhauswesen im Sächsischen Sozialministerium, hervor. Pflege müsse Sterbebegleitung einschließen, was besonders im ländlichen Raum schwierig sei. Deshalb brauche es eine vertiefte Zusammenarbeit aller Akteure.